Donnerstag, 30. Januar 2014

Ich kauf nix mehr

Ausgerechnet ein Biobauer war es, der in mir die Idee aufkommen lies, in diesem Jahr keine neue  Kleidung mehr zu kaufen. Jahahaha, liebe Fashionblogger und Schnäppchenjäger, liebe Lifestyle-Gurus und Haul-Freunde, richtig gelesen! Warum nun also der Wahnsinn? Ich saß in einer Vorlesung zum Thema Welternährung und Menschenrechte, als der Dozent (der besagte Biobauer) losstürmte: Die weltlichen Industrieländer müssten endlich mit der Verschwendung von Lebensmittel aufhören! 50% davon werden weggeworfen, noch bevor sie den Verbraucher erreichen, die Gründe sind vielseitig. Und wir sollen uns nicht einbilden, dieses Verhalten mache beim Essen Halt. Auch Kleidung werde bei uns zunehmend als Wegwerfprodukt betrachtet. Beides sei nicht nur hierzulande viel zu billig, während andernorts die Produzenten ausgebeutet werden, damit wir uns dem schnellen Konsum hingeben können.
Wenn wir langfristig gemeinsam auf diesem Planeten miteinander auskommen wollen, müssen wir den Wert von Rohstoffen und Gütern wieder erkennen. Als Beispiel gab er seine Elterngeneration an. Ihnen galt ein Kleidungsstück als Wert, als Investition und in manchem Fall auch als Markenzeichen. Ich dachte an meine Mutter und hörte sie Dinge sagen wie “Dafür hab ich damals richtig viel Geld ausgegeben“ oder „Das Kleid hab ich sehr geliebt, es erinnert mich immer an den Mexiko-Urlaub 1974“. Sätze wie „Der Pulli war so billig, da hab ich ihn gleich in drei Farben genommen“ oder „Hierbei war ich mir von Anfang an nicht sicher, aber für 20 Mark hab ich’s mal mitgenommen“ habe ich von ihr nie gehört. Und das liegt nicht daran, dass ihr damals das nötige Geld gefehlt hätte.

 Bei mir war an diesem Abend der Punkt erreicht, als ich keine Ausreden mehr gelten lassen konnte. Ich bin keine Shoppingqueen, aber die Tatsache, dass ich manchmal in den Tiefen meiner Schubladen Stücke finde, die noch das Preisschild dranhaben, oder deren Existenz in meinem Haushalt ich längst vergessen hatte, ekelte mich an. Ein Kleiderschrank, der so vollgestopft ist, dass man nichts mehr findet und deswegen nur die obersten Stücke des Stapels anzieht, macht auch keinen Spaß. Trotz grundsätzlicher Konsumkritik hatte meine Sammelleidenschaft mich ausgetrickst. Es bedurfte auch keiner weiteren Dokumentation des Öffentlich-Rechtlichen, um zu verstehen, dass wir unsere albernen Eitelkeiten auf dem Rücken anderer ausleben. Nach 13 Jahren Schule und vier Jahren Studium kann ich es mir selbst gegenüber nicht mehr verantworten, dass meine Bildung zwar reicht, um die hysterische Hetze auf Trends als mediales Instrument einer turbokapitalistischen Modeindustrie zu erkennen, aber dass ich immer noch nicht schlau sein soll, mich eben davon zu emanzipieren. Das möchte ich keinem Kind erzählen, dass die Schulbank gegen die Nähmaschine tauschen musste, um Eltern und Geschwister durchzubringen.

Qualität statt Quälität!

Kurz nach Weihnachten beschloss ich: 2014 ist erst mal Schluss damit. Es wird nichts Neues mehr gekauft. Das Ganze ist erst einmal als Experiment gedacht, wir alle wissen: Verbote bringen meist wenig. Ich bin sicher, so schwer wird es gar nicht.
Zwischen Trauer und Wut schwanke ich immer, wenn ich Sprüche höre wie "Die großen Konzerne produzieren doch eh alle zu den gleichen schlimmen Bedingungen, da kann man als Verbraucher eh nichts machen, also isses egal, wo man kauft". Würde das Prinzip von Angebot und Nachfrage so funktionieren, wäre es nicht erst so weit gekommen. Was gilt es also zu tun? Fangen wir auf der Makroebene an: Natürlich kann keiner von uns die Weltwirtschaft umkrempeln. Auch die scharenweise Erstürmung der rar gesäten Fair Trade-Läden ist nicht realistisch, selbst wenn es ein plötzliches Umdenken eines Großteils der Verbraucher gäbe, momentan fehlen die nötigen Strukturen, um die Nachfrage zu decken. Soll man sich also in Sack und Asche kleiden? Keineswegs! Fangen wir in unseren Köpfen an. Kauft Second Hand, es ist genug schicker Krempel im Umlauf. Macht selbst! Qualität über Quantität. Investiert Zeit und Geld in gutes Essen, Zeit mit euren Freunden, Kultur und Bildung. Kauft mit Bedacht das, was (zu) euch passt. Seid nett zu euren Sachen, und trennt euch, wenn die Leidenschaft abgeflaut ist, jemand anders freut sich bestimmt.
Und mal ehrlich: Wer möchte schon, dass es am Ende des Tages die Kleidung ist, an die man sich bei euch erinnert?




Mittwoch, 8. Januar 2014

Klarer Fall ... warum er nicht anruft (1)

Liebe Leserinnen und Leser,

heute startet meine neue Reihe "Klarer Fall", aus aktuellem Anlass heute zum Thema "Warum er nicht anruft". Der Titel dieser Serie ist dabei aber nicht wörtlich zu nehmen. Im Gegenteil - wer kennt das nicht: Man wartet sehnsüchtig auf ein Lebenszeichen des Objekts der Begierde. Und anstatt dass man auf das leise Stimmchen hört, dass einem sagt, dass er/sie niemals  Interesse haben wird, spinnt man die absonderlichsten Erklärungen für die Funkstille zusammen. Um dann fest an sie zu glauben!

Ich möchte Euch hierbei übrigens ausdrücklich zum Mitmachen auffordern! Teilt Eure absurdesten Erklärungen in den Kommentaren mit mir und ich werde versuchen sie in einem Beitrag umzusetzen.

Viel Spaß nun also mit "Klarer Fall ... warum er nicht anruft"

Sagte er nicht, seiner Mutter ginge es nicht gut? 
Bestimmt kümmert er sich um sie!!! Na ja ... ist ja irgendwie auch ganz süß ...!"  



Montag, 30. Dezember 2013

Von verpassten Chancen - Ein durchaus dankbarer Jahresrückblick

Liebe Rächer der Enterbten,

ein weiteres Weihnachtsfest scheint überlebt. Die Gänsekeule steckt einem noch im Hals, da beschießen einen die Medien wieder mit bunt-verklärten Jahresrückblicken à la „War doch alles gar nicht so schlimm". Grund genug für mich, auf Momente in diesem Jahr zurückzublicken, deretwegen ich einige Male tief, aber glücklich durchgeatmet habe.



Wie fange ich also an? Ich hatte mal einen Freund. Eine seine größten Sorgen war es, etwas im Leben zu verpassen, das er als wichtig erachtete. „Ich will später, wenn ich alt bin, nicht zurückblicken und fragen müssen ‚Was wäre, wenn?‘sagte er mir oft. Eine Einstellung, die symptomatisch für unsere Generation zu sein scheint, die völlig überfordert  ist von Möglichkeiten und Lebensmodellen. Und so versucht man also, seines eigenen Glückes Schmied zu sein. Doch dann gibt es da ja noch all diesen miesen kleinen Widrigkeiten des Lebens, die einem im letzten Moment in die Suppe spucken, eine lange Nase zeigen, einen Strich durch die Rechnung machen - kurz: Die einen scheitern lassen.

Und auch, wenn wir gelernt haben, Niederlagen nach außen hin herunterzuspielen ("Nee, nee, ich hatte eh' längst andere Pläne ...!" *hüstel*), in uns drinnen nagt es in stillen Momenten dann doch oft noch.
Da wäre zum Beispiel meine erste große Liebe. Für immer wollten wir zusammenbleiben, mit Herz und Schmerz und Schmalz. Dann plötzlich machte er Schluss. Schnauze voll, er bräuchte ab sofort Zeit für die studentische Selbstfindungsphase. Ich war untröstlich, brach alle Zelte ab und zog zurück in meine Heimatstadt. Es folgten Monate der Selbstkasteiung, lauwarmer Folgebeziehungen und Jahre des Zweifels, ob ich je wieder jemanden finden würde, mit dem es so wäre wie mit ihm. Es ging so weit, dass ich Panik hatte, ihn jemals zufällig wiederzusehen, aus Ratlosigkeit, wie ich reagieren würde (Durchdrehen schien mir eine durchaus geeignete Option).

Oder die Sache mit dem Job. Vor einigen Jahren wollte ich unbedingt in einem Medienunternehmen arbeiten, das aufgrund seiner – zugegeben recht schnittigen Produkte – nach außen hin als mächtig hip verschrien ist. Meine Bewerbung war ein glühender Liebesbrief, in dem ich kundtat, dass ich bereit wäre, meine Seele zu verkaufen. Nur zwei Tage später kam die Antwort: Man habe sich sehr gefreut über derart viel Begeisterung, jedoch hätte jemand aus der Personalabteilung verschlafen, die Anzeige aus dem Netz zu nehmen, die Stelle sei seit Wochen besetzt. Ich fand wenig später eine Stelle bei einem anderen Unternehmen, grantelte beleidigt zweieinhalb Jahre vor mich hin und stellte mir die „Was wäre, wenn?“-Frage.

Der heilsame Aufschlag auf den Boden der Realität erfolgte in beiden Fällen in diesem Jahr. 

 

Doch manchmal merkt man dann, wenn man wieder mit dem verpassten Glück konfrontiert wird und wenn man denkt, schlimmer geht's nicht mehr, dass der Tritt, den man zuvor bekommen hat, einen über ein großes Übel hinweggestoßen hat.
An einem Sonntagnachmittag im Spätsommer saß ich im Café, als mein Exfreund die Straße entlanglief. Wir wohnten in derselben Stadt und hatten uns ein paarmal getroffen. Ich blickte ihm nach und fragte mich plötzlich, was zur Hölle ich an diesem selbstgerechten, unsicheren, soziophoben und misanthropischen Menschen ich mal so toll fand. Und was aus mir geworden wäre, wenn die Beziehung gehalten hätte. Auch die Jobfrage erledigte sich wie von selbst. Durch Zufall wohne ich mit einem Mitarbeiter meines Traumunternehmens zusammen und er wollte zu seiner Einweihungsparty seine Kollegen einladen. Ich trug es mit Fassung (schließlich bin ich mit meinem neuen Job mittlerweile sehr zufrieden) doch  - oh Schreck! Das vermeintliche Hipsterunternehmen stellte sich als Haufen verkniffener Puritaner heraus! Spaßbremsen, die zu allem erst mal "Nein danke, vielleicht später" sagen und deren "Ach, das ist ja interessant, ja, hmhm, toll" so leidenschaftslos und reflexartig kommt, als wäre es Ausdruck einer nervösen Störung.

Nein danke, da pfeife ich doch gepflegt drauf und freue mich, dass mir nicht alle Wünsche erfüllt worden sind. Gut gemacht, Leben!

Und so bleibt mir heute nur noch, Euch einen fabelhaften Rutsch ins Jahr 2014 zu wünschen! Möge es ein Jahr voller verpasster Chancen für Euch werden. Im positivsten Sinn, versteht sich ;-)

Montag, 9. Dezember 2013

Vom Leben gelernt (6): Die Meinung anderer

Merke: Als heilsames Mittel gegen temporär auftretende Unsicherheiten gegenüber dem Urteil Fremder gilt:

Solange ich nicht einmal genug Zeit für die Menschen habe, 
die ich mag, ... 

... kann mir die Meinung der anderen eigentlich auch egal sein.
  


Montag, 18. November 2013

Kaktusgarten

Vor Kurzem war ich nach langer Zeit wieder in meiner alten Heimat. Um gleich eines vorweg zu schieben: Ich mache das nicht mehr gern.
Früher nannte ich es Heimweh, was mich dann und wann in dieses niedersächsische Dorf trieb. Heute weiß ich, es war das unbestimmte Gefühl für das Neue, das mittlerweile ein neues Zuhause geworden ist, das schlechte Gewissen, sich vom Alten zu lösen, obwohl man noch auf der Reise ins Unbekannte ist.Woher diese Abneigung kommt? Ganz ehrlich?