Bei mir war an diesem Abend der Punkt erreicht, als ich keine Ausreden mehr gelten lassen konnte. Ich bin keine Shoppingqueen, aber die Tatsache, dass ich manchmal in den Tiefen meiner Schubladen Stücke finde, die noch das Preisschild dranhaben, oder deren Existenz in meinem Haushalt ich längst vergessen hatte, ekelte mich an. Ein Kleiderschrank, der so vollgestopft ist, dass man nichts mehr findet und deswegen nur die obersten Stücke des Stapels anzieht, macht auch keinen Spaß. Trotz grundsätzlicher Konsumkritik hatte meine Sammelleidenschaft mich ausgetrickst. Es bedurfte auch keiner weiteren Dokumentation des Öffentlich-Rechtlichen, um zu verstehen, dass wir unsere albernen Eitelkeiten auf dem Rücken anderer ausleben. Nach 13 Jahren Schule und vier Jahren Studium kann ich es mir selbst gegenüber nicht mehr verantworten, dass meine Bildung zwar reicht, um die hysterische Hetze auf Trends als mediales Instrument einer turbokapitalistischen Modeindustrie zu erkennen, aber dass ich immer noch nicht schlau sein soll, mich eben davon zu emanzipieren. Das möchte ich keinem Kind erzählen, dass die Schulbank gegen die Nähmaschine tauschen musste, um Eltern und Geschwister durchzubringen.
Qualität statt Quälität!
Kurz nach Weihnachten beschloss ich: 2014 ist erst mal Schluss damit. Es wird nichts Neues mehr gekauft. Das Ganze ist erst einmal als Experiment gedacht, wir alle wissen: Verbote bringen meist wenig. Ich bin sicher, so schwer wird es gar nicht.Zwischen Trauer und Wut schwanke ich immer, wenn ich Sprüche höre wie "Die großen Konzerne produzieren doch eh alle zu den gleichen schlimmen Bedingungen, da kann man als Verbraucher eh nichts machen, also isses egal, wo man kauft". Würde das Prinzip von Angebot und Nachfrage so funktionieren, wäre es nicht erst so weit gekommen. Was gilt es also zu tun? Fangen wir auf der Makroebene an: Natürlich kann keiner von uns die Weltwirtschaft umkrempeln. Auch die scharenweise Erstürmung der rar gesäten Fair Trade-Läden ist nicht realistisch, selbst wenn es ein plötzliches Umdenken eines Großteils der Verbraucher gäbe, momentan fehlen die nötigen Strukturen, um die Nachfrage zu decken. Soll man sich also in Sack und Asche kleiden? Keineswegs! Fangen wir in unseren Köpfen an. Kauft Second Hand, es ist genug schicker Krempel im Umlauf. Macht selbst! Qualität über Quantität. Investiert Zeit und Geld in gutes Essen, Zeit mit euren Freunden, Kultur und Bildung. Kauft mit Bedacht das, was (zu) euch passt. Seid nett zu euren Sachen, und trennt euch, wenn die Leidenschaft abgeflaut ist, jemand anders freut sich bestimmt.
Und mal ehrlich: Wer möchte schon, dass es am Ende des Tages die Kleidung ist, an die man sich bei euch erinnert?







